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Gedanken zum Monatsspruch


Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen.

Joh. 8, 15
 

Jesus hat es gut – er braucht nicht zu urteilen. Ich aber muss das immer wieder. Jeder Mitarbeiter hat ein Anrecht auf ein Zeugnis. Darin gebe ich ein Urteil ab über die Qualität und Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Wie gut hat sie ihre Sache gemacht? Was schreibe ich ins Zeugnis hinein? Da stehen ja keine Noten aber Beurteilungen. Kann ich das? Manchmal habe ich mich schon getäuscht. Da lag ich mit meinen Urteilen schief. Manchmal habe ich Menschen zu viel zugetraut, manchmal aber auch zu wenig.  

Ich muss urteilen, das gehört zu meinen Aufgaben. Und ich erbitte mir immer neu Weisheit, dass ich niemanden verurteile und ihm Unrecht tue. 

Wir sind schnell mit unseren Urteilen, auch mit unseren Verurteilungen bei der Hand – auch wenn keiner uns danach fragt. Wir haben für jede und jeden eine Schublade parat, in die wir sie oder ihn einsortieren. Wir urteilen, wie Menschen urteilen. Und das ist ganz oft falsch. Was macht Jesus anders?  

Das können wir meines Erachtens gut an dem Zusammenhang des Monatsspruchs erkennen. Da haben sie eine Frau vor Jesus geschleift und in den Schmutz geworfen. Sie meinten da gehöre sie hin, denn sie hat ja die Ehe gebrochen. Und Jesus? Jesus malt mit einem Finger ein Muster in den Sand. Er beugt sich dabei zugleich zu der Frau herab, die voller Angst vor ihm liegt. Für sie geht es um Leben und Tod. Denn Ehebrecherinnen mussten sterben. Und dann sagt er zu denen, die da herumstehen: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Steinigung – das war die Todesart für Ehebruch. Jesus weiß das – und malt wieder Muster in den Staub der Straße. Die Menschen aber wenden sich ab. Keiner ergreift einen der zahlreichen Steine, die überall herum liegen. Keiner wirft.  

Was macht Jesus anders? Er lässt sich nicht aufhetzen. Und er bleibt der Barmherzige. Sündige hinfort, nicht mehr, sagt er zu der Frau. Er verharmlost nicht, aber ihn leitet auch keine gnadenlose Gerechtigkeit – oder das, was wir manchmal dafür halten. Ihn leitet eine Barmherzigkeit, die dem Menschen eine neue Chance gibt. Das ist für uns alle gut. Gut wäre darum auch, dass wir einander so begegnen, selbst dann, wenn wir eine Beurteilung abgeben müssen.


Ihr Pastor Manfred Schultzki
 
     
   
 

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letzte Aktualisierung: 29.07.2010
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