|
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen.
Jesus hat es gut – er braucht nicht zu urteilen. Ich aber muss
das immer wieder. Jeder Mitarbeiter hat ein Anrecht auf ein Zeugnis.
Darin gebe ich ein Urteil ab über die Qualität und
Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Wie gut hat sie ihre Sache
gemacht? Was schreibe ich ins Zeugnis hinein? Da stehen ja keine
Noten aber Beurteilungen. Kann ich das? Manchmal habe ich mich schon
getäuscht. Da lag ich mit meinen Urteilen schief. Manchmal habe ich
Menschen zu viel zugetraut, manchmal aber auch zu wenig.
Ich muss urteilen, das gehört zu meinen
Aufgaben. Und ich erbitte mir immer neu Weisheit, dass ich niemanden
verurteile und ihm Unrecht tue.
Wir sind schnell mit unseren Urteilen, auch mit
unseren Verurteilungen bei der Hand – auch wenn keiner uns danach
fragt. Wir haben für jede und jeden eine Schublade parat, in die wir
sie oder ihn einsortieren. Wir urteilen, wie Menschen urteilen. Und
das ist ganz oft falsch. Was macht Jesus anders?
Das können wir meines Erachtens gut an dem
Zusammenhang des Monatsspruchs erkennen. Da haben sie eine Frau vor
Jesus geschleift und in den Schmutz geworfen. Sie meinten da gehöre
sie hin, denn sie hat ja die Ehe gebrochen. Und Jesus? Jesus malt
mit einem Finger ein Muster in den Sand. Er beugt sich dabei
zugleich zu der Frau herab, die voller Angst vor ihm liegt. Für sie
geht es um Leben und Tod. Denn Ehebrecherinnen mussten sterben. Und
dann sagt er zu denen, die da herumstehen: Wer ohne Sünde ist, der
werfe den ersten Stein. Steinigung – das war die Todesart für
Ehebruch. Jesus weiß das – und malt wieder Muster in den Staub der
Straße. Die Menschen aber wenden sich ab. Keiner ergreift einen der
zahlreichen Steine, die überall herum liegen. Keiner wirft.
Was macht Jesus anders? Er lässt sich nicht
aufhetzen. Und er bleibt der Barmherzige. Sündige hinfort, nicht
mehr, sagt er zu der Frau. Er verharmlost nicht, aber ihn leitet
auch keine gnadenlose Gerechtigkeit – oder das, was wir manchmal
dafür halten. Ihn leitet eine Barmherzigkeit, die dem Menschen eine
neue Chance gibt. Das ist für uns alle gut. Gut wäre darum auch,
dass wir einander so begegnen, selbst dann, wenn wir eine
Beurteilung abgeben müssen.
|